50 Jahre OV Neuhof (Chronik Teil 3)

Mit der Umstrukturierung in den 90er Jahren vollzog sich auch ein Wandel innerhalb des THW in Neuhof. Neben der Veränderung von einem Instandsetzungszug zu einem technischen Zug wurde auch eine neue Unterkunft für den Ortsverband errichtet. Der Neubau wurde 1991/1992 fertiggestellt und konnte stolz bezogen werden.

Neben modernen Räumen und viel Platz für Fahrzeuge stand nun auch eine Werkstatt zur Verfügung.

In der Folge zogen wieder Großfahrzeuge in die Unterkunft ein. Von den vorherigen fünf Mannschaftslastwagen (MLW) blieb nur noch einer übrig. Dafür gab es Geräte- und Mannschaftslastwagen (GKW und MKW) sowie einen Anhänger. Die komplette Ausstattung und Werkzeuge konnte jetzt wieder dauerhaft auf den Fahrzeugen verlastet werden.

Ende der 90er Jahre wurde das Erscheinungsbild des THW auffälliger. Als Bekleidung wurde der sog. Multifunktionale Einsatzschutzanzug (MEA) eingeführt; bis heute ein besonderes Erkennungsmerkmal des THW mit seiner blauen Farbe und den gelben Reflektionsstreifen. Ebenso wurden die Schutzhelme modernisiert, die bis heute noch aktuell verwendet werden.

Neben der wöchentlichen Ausbildung und Einsätzen wurden weiterhin viele Übungen zum Teil auch gemeinsam mit den örtlichen Organisationen wie Feuerwehr, Deutsches Rotes Kreuz, DLRG und einigen anderen mehr durchgeführt. Da das THW in der örtlichen Gefahrenabwehr eingebunden ist, war bei einigen Übungen der Landkreis Fulda der Veranstalter, so z.B. im Schloss Bieberstein in Hofbieber, ebenso der Landkreis Main-Kinzig in Wächtersbach bei der Übung „Kinzig 78“.

In 2002 hatte das THW in Deutschland einen Einsatz größeren Ausmaßes. Am Elbehochwasser waren viele Ortsverbände aus mehreren Landesverbänden beteiligt, so auch die Helfer des THW aus Neuhof. Der Einsatz verlangte ihnen über zwei Wochen lang vieles ab. Sie waren in Bitterfeld stationiert und wurden von dort aus zu verschiedenen Einsätzen abgerufen. Diese Einsätze erstreckten sich manchmal über 24 Stunden, so dass in Schichten gearbeitet werden musste. Neben dem Sandsackverbau war eine der Hauptaufgaben das Ausleuchten der Einsatzstellen, da der Ortsverband Neuhof mit einer Beleuchtungsgruppe ausgestattet war. Bei diesem Einsatz lernte man auch ein neues Gefährt kennen und lieben: Es wurde ein Prototyp eines Lichtmastanhängers getestet, der später in Serie für das THW produziert wurde. Einige Jahre danach erhielt der Ortsverband Neuhof solch einen Lichtmastanhänger, den man seinerzeit im Hochwassereinsatz schon hatte ausprobieren dürfen.

Bis heute ist er eine der wichtigsten Einsatzmittel für das THW in Neuhof. Er kam bereits bei vielen Großbränden, Verkehrskontrollen und Veranstaltungen zum Einsatz, wird bis heute aktiv eingesetzt und ist auch im Alarmplan des Landkreises Fulda als solches hinterlegt.

Der größte Einsatz für das THW in Neuhof war bis heute zweifelslos der Einsatz beim ICE-Unfall im Kalbacher Landrückentunnel, Deutschlands längstem Eisenbahn-Tunnel mit einer Länge von 10.779 m.Am Abend des 26. April 2008 um 21:05 Uhr prallte der ICE 885 mit einer Geschwindigkeit von ca. 210 km/h auf eine am Tunnelportal grasende Schafsherde. 12 von 14 Waggons sowie der Triebkopf des ICE entgleisten unmittelbar nach der Einfahrt in den Tunnel. Der Zug kam erst nach ca. 1 km zum Stehen und das wenige Meter vor einem Kurvenversatz. Das Gleisbett wurde über mehrere hundert Meter völlig zerstört. 19 von 135 Personen erlitten leichte bis mittelschwere Verletzungen. Der Einsatz für das THW bestand zunächst in der Bergung der Schafskadaver. Im weiteren Verlauf wurde der Tunnel vom Portal bis zur Kollisionsstelle komplett mit Elektrizität sowie Beleuchtung versorgt. Danach konnte mit der Bergung der Waggons und des Triebkopfes begonnen werden. Hierzu mussten teilweise Waggons mit Plasmaschneider und schweren Hebekissen angehoben und getrennt werden. Dieser Einsatz hielt für die Helfer des THW mehrere Wochen an, bis die Einsatzstelle wieder an die Deutsche Bahn übergeben werden konnte. Über 300 Helferinnen und Helfer des THW aus verschiedenen Ortsverbänden waren daran beteiligt.

Diese Übungen und Einsätze führten dazu, dass sich viele neue Helferinnen und Helfer für das THW begeisterten und interessierten, was auch der Ortsverband Neuhof spürte. Die Anzahl der Helfer stieg dadurch merklich an.